Studienreise fresh expressions Tag 3: contemplative fire

Contemplative fire ist eine Bewegung, welche ausser einer nationalen Struktur eines Trägerkreises, fast komplett selbstorganisiert, netzwerkartig funktioniert. Überall in England bilden sich kleine kontemplative Gruppen, die sich aufgrund eines Lebensrhythmus organisieren.

Contemplative fire ist eine Bewegung, welche ausser einer nationalen Struktur eines Trägerkreises, fast komplett selbstorganisiert, netzwerkartig funktioniert. Überall in England bilden sich kleine kontemplative Gruppen, die sich aufgrund eines Lebensrhythmus organisieren.

In Sheffield treffen wir Jane und Paul, zwei Mitglieder von contemplative fire. Philipp Roderick, der Gründer und Leiter der Bewegung war verhindert. Roderick gründete die Bewegung nach längeren Ekundungen in anderen religiösen Traditionen. Schliesslich fühlte er sich dazu berufen, Menschen zu dienen, welche auf ihrer spirituellen Reise nicht bei institutionellen Kirchen Ansschluss finden wollen oder können. 2004 gründete er contemplative fire. Im Unterschied zu anderen fresh expressions wie z.B. MOOT, London, ist contemplative fire nicht an einem Ort lokalisiert, sondern ist im Grunde genommen nichts anderes als ein Netzwerk ohne festen Ort.

Contemplative fire will Elemente der monatischen Tradition für ein christliches leben in einer zeitgenössischen Welt fruchtbar machen. Es geht darum, einen individuellen und gemeinschaftlichen Erkundungsweg (journey) zu begehen. Jane formuliert die entscheidende Frage so: „Welche Wurzeln in der Tradition helfen uns, wenn wir neue Wege suchen für die Welt relevant zu sein?“ Contemplative fire beantwortet die Frage mit einer Rückkehr zu den Ursprüngen. Das Leben und die Lehre Jesu sind zentral. Ebenfalls wichtig sind die Wüstenväter und -mütter, die christlichen Mystiker, auch die keltische Spiritualität. Was aus diesen Traditionen für contemplative fire wichtig ist:

1. Eine Betonung der persönlichen Erfahrung. Dagegen sind instituionelle Elemente, dogmatische Überlegungen im Hintergrund.

2. Weisheit ist etwas, was wir schmecken müssen. Wir können nicht darüber theoretisieren, denn Erkenntnis erhalten wir nur durch alle Sinne.  Alles, was du intellektuell begreifen kannst, ist zu klein für Gott.

3. Ein Bewusstsein für die Verbundenheit mit allen Dingen. Wir sehen das Göttliche in der Schöpfung. Das Leben ist sakramental, bei jedem Atemzug. Gott ist in allen Dingen, in uns. Wir stehen immer schon auf göttlichem Grund. Durch die Schöpfung kannst du Gott wahrnehmen.

Diese Aspekte prägen das Gebet. Mitglieder von contemplative fire versuchen, die Stille zu nutzen. Gebete aber auch in den alltäglichen Dingen des Lebens (keltische Spiritualität). Und beten mit dem ganzen Sein, dem Körper. Eine ganzheitliche Form des Gotteslobs.

In einer contemplativ fire Kirche, gibt es Menschen aus drei Gruppen:

1. Leute, die der Kirche angehören, aber etwas anderes wollen und suchen. Sie finden eine Heimat, die sie in der lokalen Kirchgemeinde nicht finden.

2. Andere haben die Kirche verlassen oder wollen das tun, weil sie nicht erhalten, was sie brauchen.

3. Andere hatten noch nie mit Kirche zu tun, sind aber spirituell auf der Suche. Eine lokale Kirchgemeinde ist keine Alternative für diese Personen.

Contemplative fire hat einen nationalen Vorstand, sonst aber keine Hierarchie, keine Gebäude, keine Strukturen. Die Treffen finden statt in Privathäusern. Dabei geht es um eine Spiritualität im Hier und Jetzt. Paul formuliert es so: „Wir wollen die Haltung eines Babies einnehmen, das jeden Tag alles neu sieht und staunt. Und wir wollen das Reich Gottes ernst nehmen, im Hier und Jetzt. Wir brauchen dafür keine Sakramente, Institutionen, Dogmen, denn Gott ist überall, und hier, und in uns und wir sind in ihm. Jesus ist hier und jetzt.“

Das Leitbild von contemplative fire hat zwei Begriffe: travel light (leicht reisen) und dwell deep (tief verwurzelt sein). 

travel light: wie die Jünger Jesus ohne Koffer, ohne Geld, ohne institutionelles Gepäck auf der spirituellen Reise sein. Wir versuchen loszulassen.

dwell deep: wir möchten tief verwurzelt sein in Gott und Jesus. Wir beziehen uns auf alte traditionen, wir sind sehr verbunden mit Personen um uns herum und wir gehen in die Wüste, in die Stille Wie jesus. Dabei suchen wir eine Balance zwischen Kontemplation und Aktion.

Um das zu tun, gibt es einen Lebensrhythmus rund um vier Begriffe: Gebet/Sein, Lernen/Erkenntnis, Action/Tun sind gruppiert um die Mitte, welche als Unknown, Geheimnis Gottes bezeichnet wird.

Prayer – Being: Das dazu gehörige Symbol ist Wasser. Jedes Mitglied hat eine eigene, persönliche Praxis des Gebets. Dazu kommen kleine Gruppen, die „still waters“ heissen. Dort ist Zeit für Stille, Reflexion, Sharing mit anderen.  Dann gibt es auch Treffen mit Abendmahl-Feiern (gatherings). Es gibt grössere Treffen die „Pilgrimages to Now/here“ genannt werden, an denen auch gewandert wird. Ausserdem sind die Mitglieder in kleinen Dreiergruppen organisiert.

Study – Knowing: Daz dazugehörige Symbol ist die Bibel. Auch hier gibt es Gefässe. Sogennante circle groups in denen theologische Studien betrieben werden. Dann gibt es Siebnergruppen, die „way beyond religion“ genannt werden. Jede Person wählt sich ausserdem einen Spirituellen Lehrer für den eigenen Weg.

Action  – Doing: Das dazugehörige Symbol ist das Feuer, die Kerze. Es geht darum, dass jedes Mitglied sich einsetzt in der Welt.

Im Zentrum ist der Platz des Unknowings. Wir respektieren damit das Geheimnis Gottes. Das einzige, was wir tun können, ist mit Liebe zu reagieren. Das heisst auch, wir versuchen andere Menschen zu respektieren. Denn jede/r ist ein Geheimnis.

Am Abend dann formulieren die Vikarinnen und Vikare Fragen, die nun zu stellen sind, wenn die Impulse der fresh expressions in die Schweiz transferiert werden sollen:

– Wie können wir sprituell Suche in den Fokus unserer Arbeit nehmen?

– Was ist unser Selbstverständnis als Pfarrerinnen und Pfarrer, als Leitende? Wie kann die hörende Grundhaltung – eine Haltung, welche das Kundigsein aller Menschen tief respektiert, ins Pfarrbild integriert werden?

– Wie sieht eine neues Missionsverständnis aus, das sich als „joining in“ eines längst im Gange befindenden Vorgangs versteht?

– Wie sieht ein Kirchenbild aus, wenn eine mixed economy zwischen territorialen und netzwerkartigen Strukturen besteht?

– Was wollen/müssen/sollen wir verändern?

– Inwiefern können wir etwas bewegen und wie können wir unterscheiden, was wir tun können und was auf struktureller/politischer Ebene entschieden werden muss?

– Wo finden fresh expressions of church in der Schweiz schon statt?

– Wie können solche Ansätze in einer Kirchgemeinde kommuniziert/eingeführt werden? Welche Vorgehensweise brauchen wir in unseren Kirchen?

– Gibt es auch im reformierten Raum der Schweiz Wurzeln aus der Tradition, die als Schätze gewonnen werden können? Wo könnenwir sie ausgraben (Alpsegen, usw.)?

– Woher kommen die Impulse? Wer sagt, wohin es geht?

– Was ist das Verhältnis zwischen Geh- und Kommstruktur in solchen fresh expressions?

– Wie können wir Kontexte besser wahrnehmen?

– Wie können wir besser wahrnehmen, was unsere Begabung, unsere Berufung ist?

– Wie treten wir in Kontakt mit de-churched und un-churched Menschen?

Mit diesen Fragen gehen wir auf den Rest der Reise und in die Schweiz zurück.

Autor: Thomas Schaufelberger

Ehemann, Vater, Journalist, Pfarrer, Ausbildner, Leiter der evang.-ref. Arbeitsstelle A+W - Aus- und Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer (Deutschschweiz), Leiter Abteilung Kirchenentwicklung der Zürcher Landeskirche. Journalist, Ekklesiopreneur - Von Mitte Februar 2016 bis Ende Juni 2016 im Weiterbildungsurlaub der Zürcher Kirche.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s