Abstimmen oder Konsens?

Die Methode der Konsensfindung ist äusserst wichtig, um in Organisationen Entscheide zu fällen. Denn es verhindert eine Spaltung in Gewinner und Verlierer, die zu verfeindeten Gruppen werden.

In Kirchen und anderen NPO-Organisationen besteht manchmal eine basisdemokratische Kultur des Abstimmens bei Entscheidungen. Bei genauerem Betrachten ist das aber kein zukunftsgerichtetes Verhalten. Denn eine Abstimmung produziert sich verfeindet gegenüber stehende Parteien und Gewinner und Verlierer. So kann eine Abstimmung zwar eine Entscheidung herbei rufen, aber ein Konflikt-Thema kann auf diese Weise in einer Organisation nicht gelöst werden.

Der Grund, weshalb das getan wird, ist oft, weil es an Imagination fehlt, andere Entscheidungsprozesse und Konfliktlösungen zu suchen. Viele Abstimmungen in Organisationen erfolgen, weil die Organisation keine Geduld aufbringt, Ambiguitäten auszuhalten, mit der Diversität zu leben oder weil sie keine Ausdauer aufbringen will, in den langen Prozess einer Konsensfindung einzusteigen.

Konsens in der Entscheidungsfindung beinhaltet ein Commitment gemeinsam mit anderen nachzudenken und zu diskutieren, aufeinander zu hören, sich gemeinsam dem Raum der Stille auszusetzen.

Dieses Modell passt besser zu kleinen Gruppen als zu grossen Organisationen. Trotzdem haben grossen Gremien, wie zum Beispiel der Ökumenische Rat der Kirchen in Genf eine Konsensmethode zur Entscheidungsfindung eingeführt. Ein anderes Beispiel beschreibt Erika Spiegel für die ETH-Zürich.  Ein weiteres Beispiel aus dem Change Management. Neuerdings gibt es sogar eine Software dazu. 

In der mennonitischen Tradition gibt es eine Geschichte eines Mannes, der völlig gegen die Pfarramts-Ordination von Frauen war, der aber trotzdem der Ordination seiner Schwiegertochter beiwohnte. Obwohl die Entscheidung über die Frauen-Ordination gegen seine Sicht gerichtet war, nahm er am Gottesdienst teil, um seine Unterstützung der Schwiegertochter zu signalisieren und um die Beziehung zu ihr aufrecht zu erhalten. Können Organisationen ähnliche Wege finden, miteinander im Austausch zu bleiben, auch wenn die unterschiedlichen Stakeholder verschiedene Meinungen haben? Siehe dazu meinen Blogbeitrag zu „Stille und Konsens“.

Autor: Thomas Schaufelberger

Ehemann, Vater, Journalist, Pfarrer, Ausbildner, Leiter der evang.-ref. Arbeitsstelle A+W - Aus- und Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer (Deutschschweiz), Leiter Abteilung Kirchenentwicklung der Zürcher Landeskirche. Journalist, Ekklesiopreneur - Von Mitte Februar 2016 bis Ende Juni 2016 im Weiterbildungsurlaub der Zürcher Kirche.

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