Entwicklung von Innovationsarchitekturen: Das Perspektiven-Ereignis-Modell (geschrieben am 8.10.2007)

Das Perspektiven-Ereignis-Modell von Schmid/Messmer hilft bei der Entwicklung von Innovationsarchitekturen.

Und noch ein dokumentierungswürdiger Gedanke aus dem Buch von Bernd Schmid/Arnold Messmer (2005): Das Perspektiven-Ereignis-Modell (S. 169-185) postuliert eine chronologische Abfolge von (zuerst) Perspektivenentwicklung für die bevorstehende Veränderung und (erst dann) Strukturierung einer Architektur mit Design-Elementen. Denn wenn zu schnell Massnahmen ergriffen werden, bleiben entscheidende Systemzusammenhänge unbeachtet und die Massnahmen drohen zu verpuffen. So entsteht unnötige Verwirrung, wenn Ideen und Ereignisse gleichzeitig und ungeordnet diskutiert werden. Besser ist es, abwechslungsweise von den Perspektiven auszugehen und die dazu passenden Ereignisse zu entwickeln oder zu überprüfen.

Perspektiven bedeuten in diesem Modell von den einzelnen Ereignissen unabhängige Beobachtungs-, Erkenntnis- oder Gestaltungsgesichtspunkte unter denen Ereignisse reflektiert, konzipiert und inszeniert werden können. Diese Form des Denkens ist ein Abstrahierungsprozess. Von der konkreten Massnahme wird der Blick auf Perspektivisches gelenkt. 

Ein Ereignis ist alles, was konkret in Zeit und Raum geschieht, was mit den fünf Sinnen beobachtbar ist. Diese Form des Denkens ist ein Konkretisierungsprozess. Sie richtet ein Scheinwerferlicht auf konkrete Ereignisse.

Sechs Schritte des Perspektiven-Ereignis-Modells:

1. Liste der Hauptperspektiven erstellen: Auf welche Fragen muss das Vorhaben Antwort geben? Die relevanten Perspektiven bilden die Leitperspektiven der Innovation.

2. Ereignisse definieren: In welchen existierenden oder neu zu schaffenden Ereignissen könnten die Anliegen aus der Leitperspektive konkretisiert werden?

3. Abgleich mit anderen Perspektiven: Hier muss der Einfluss der einen Perspektive auf andere vorhandene Perspektiven geprüft werden.

4. Perspektiven der anderen Beteiligten herausarbeiten: Die Perspektiven anderer Beteiligter werden erhoben und es wird evtl. eine Perspektivenpriorität vorgenommen.

5. Rollenveränderungen der am Ereignis Beteiligten ableiten: Klärung der veränderten Rollen angesichts der geplanten Innovation.

6. Neue Abläufe für Ereignisse entwickeln: Aus Sicht der Leitperspektive werden Abläufe für ein Ereignis neu definiert.

7. Erstellen der Dramaturgie aller Ereignisse: Wie wirken die Ereignisse zusammen, um die angestrebte Innovation zu verwirklichen?

Die sieben Schritte werden nicht linear abgearbeitet. „Vielmehr handelt es sich um einen zirkulären iterativen Prozess, bei dem man immer wieder zu vorhergegangenen Punkten zurückkommt, die Perspektiven überarbeitet, Ereignisse neu untersucht und gestaltet, Ereignisse fallen lässt und ihre Anliegen in andere integriert, aber auch (so sparsam wie möglich) neue Ereignisse kreiert, die für eine Gesamtdramaturgie zur Schaffung einer nachhaltigen Systemlösung gebraucht werden.“ (S. 184)

Autor: Thomas Schaufelberger

Ehemann, Vater, Journalist, Pfarrer, Ausbildner, Leiter der evang.-ref. Arbeitsstelle A+W - Aus- und Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer (Deutschschweiz), Leiter Abteilung Kirchenentwicklung der Zürcher Landeskirche. Journalist, Ekklesiopreneur - Von Mitte Februar 2016 bis Ende Juni 2016 im Weiterbildungsurlaub der Zürcher Kirche.

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