Veränderung.Prozesse.Entwicklung

theolounge Gold Award für diesen Blog

Verfasst von: sofa111 in: 8. Oktober 2009

Der Blog „Veränderung.Prozesse.Entwicklung“ hat den theolounge Gold Award 2009 erhalten. Das freut…gold

http://theolounge.wordpress.com/2009/10/07/theolounge-awards-2009-wir-gratulieren-herzlich/

Playing for Change

Verfasst von: sofa111 in: 7. August 2009

Ein Dokumentarfilmprojekt geht um die Welt. Die Idee: ein Song wird von allen möglichen (Strassen-)Musikern weltweit eingespielt und dann zu einer Collage zusammen geschnitten, die zeigt, dass alle gleich sind. Und das ist vielleicht kein schlechter Weg zum Frieden, zur dringend notwendigen Veränderung, die es weltweit braucht, um der Menschheit ein Überleben zu sichern.

Zurück lehnen und geniessen…

Abstimmen oder Konsens?

Verfasst von: sofa111 in: 4. August 2009

In Kirchen und anderen NPO-Organisationen besteht manchmal eine basisdemokratische Kultur des Abstimmens bei Entscheidungen. Bei genauerem Betrachten ist das aber kein zukunftsgerichtetes Verhalten. Denn eine Abstimmung produziert sich verfeindet gegenüber stehende Parteien und Gewinner und Verlierer. So kann eine Abstimmung zwar eine Entscheidung herbei rufen, aber ein Konflikt-Thema kann auf diese Weise in einer Organisation nicht gelöst werden.

Der Grund, weshalb das getan wird, ist oft, weil es an Imagination fehlt, andere Entscheidungsprozesse und Konfliktlösungen zu suchen. Viele Abstimmungen in Organisationen erfolgen, weil die Organisation keine Geduld aufbringt, Ambiguitäten auszuhalten, mit der Diversität zu leben oder weil sie keine Ausdauer aufbringen will, in den langen Prozess einer Konsensfindung einzusteigen. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Gottesfrage für (post-)moderne Gläubige

Verfasst von: sofa111 in: 4. August 2009

In einem eindrücklichen Essay in der Zeitschrift „Christian Century“ skizziert der Schriftsteller Christian Wiman, wie (post-)moderne Menschen glauben können (Übersetzung vom Blog-Autor):strickleiter-2

„Wenn du zur Auffassung kommst, der Glaube sei „vor allem ein intellktuelles Zustimmen“ (Thomas Merton); oder wenn du den Glauben nicht als Zustand des Geistes, sondern als ein „Gepacktsein von dem Sein an sich“ (Paul Tillich); oder wenn du den Glauben hauptsächlich siehst als eine „Treue gegenüber einem Ereignis“ (Abraham Joshua Heschel) in der Vergangenheit, das dich oder sogar die ganze Menschheit vom Sein ergriff; oder wenn du eine Art „induktiver Glaube“ konstruierst (Peter Berger), der in den Momenten der Transzendenz mitten im Alltag spürbar wird; oder wenn du spürst, dass der Glaube vollständig eine Angelegenheit von Gnade ist und somit ausserhalb der menschlichen Kontrolle (Karl Barth); oder wenn du fühlst, wie ich es tue, dass jede dieser Definitionen eine gewisse Wahrheit enthält – dann bist du trotzdem mit der Frage konfrontiert: Warum? Warum sollte das Dasein so arrangiert sein, dass unsere Fremdwerdung von Gott gegeben ist, und dass wir immer wieder darum ringen müssen, zu ihm zu gelangen oder überhaupt mit der Frage, ob es ihn gibt? Warum? Den Rest des Beitrags lesen »

Short Stories for Change II

Verfasst von: sofa111 in: 24. Juni 2009

Eine wundervolle jüdische Parabel:

Zwei Rabbis sitzen in einem Park und streiten über eine Passage in der Torah. Schon seit Jahren disputieren sie darüber und nie können sie sich einig werden. So sehr streiten sie, dass es Gott zuviel wird. So teilt er schliesslich den Himmel und steigt herunter und sagt: „Ihr kämpft miteinander seit Jahren. Ich werde euch jetzt sagen, was die Stelle genau meint.“ Und in einem seltenen Moment der Einigkeit wenden sich die beiden Rabbis zu Gott und sagen: „Welches Recht hast du, hier herunter zu kommen und uns zu sagen, was genau gemeint ist? Geh weg und lass uns streiten.“

Short Stories for Change I

Verfasst von: sofa111 in: 24. Juni 2009

Ein Atheist gab gegenüber einem Gläubigen zu, dass er kürzlich in der Wildnis Alaskas während eines Sturms die Orientierung verlor und betete: „Gott, wenn es einen Gott gibt. Ich bin verloren in diesem Orkan und ich werde sterben, wenn du mir nicht hilfst!“

Der Gläubige antwortete: „Das heisst, du glaubst jetzt, denn du bist ja jetzt da, und du lebst.“

Der Atheist rollte seine Augen und sagte „Nein! Alles was passierte war, dass ein paar Eskimos zufällig vorbei kamen und sie konnten mir den Weg zurück weisen.“

(Quelle: David Foster Wallace, This Is Water, gefunden in: Christian Century, June 16, 2009, S. 9, übersetzt von mir)

Presencing

Verfasst von: sofa111 in: 15. Juni 2009

Prof. Dr. Otto Scharmer, Professor am MIT, Massachusetts Institute of Technology,

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gehört weltweit zu den

innovativsten Denkern im Bereich Veränderungsprozesse von Organisationen. In einem kleinen Video-Interview skizziert er ein Modell, wie Organisationen und Führungspersonen innovativ werden können.

Höchst spannend dabei: Man muss das rationalistische Denken verlassen und durch Beobachtung in einen Zustand gelangen, wo die Zukunft in der Gegenwart Gestalt annehmen kann. Und das ist ein Zustand der Stille, des Rückzugs, der hohen Aufmerksamkeit. Das korrespondiert mit den uralten Traditionen der religiösen Gemeinschaft der Quäker, für die Stille und Konsens in der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle spielte (siehe auch mein älterer Blog-Eintrag).

Soeben ist Otto Scharmers Buch in Deutsch übersetzt erschienen: Theorie U, von der Zukunft her führen.

Familie definieren

Verfasst von: sofa111 in: 9. Juni 2009

Kolumne “Zum Sonntag” in der Zürichsee-Zeitung, Stäfa (achtmal jährlich):

Von Familie zu reden ist gefährlich. Noch heikler ist es von einem christlichen Familienbild zu sprechen. Denn intuitiv wird immer ein Ideal bestehend aus Vater, Mutter und mindestens einem Kind mitgehört: Das Kind stammt biologisch von beiden ab. Die Eltern ziehen es gemeinsam gross und sie müssen verheiratet sein. P1010317

Das hat problematische Konsequenzen. Alle, die dem vermeintlichen Ideal nicht entsprechen, Alleinerziehende oder Patchwork-Familien, fühlen sich nicht angesprochen oder schämen sich. Christlich ist ein solches Familien-Idealbild also kaum. Ausserdem hat die biologische Abstammung alleine noch nie eine funktionierende Familie gewährleistet.

Wie also ist Familie in einem christlichen Sinne zu definieren? Der erwachsene Jesus legt auf den ersten Blick eine familienfeindliche Haltung an den Tag. Einem Mensch, der ihm nachfolgen, sich aber noch von seiner Familie verabschieden will, wirft er vor er sei nicht für das Gottesreich zu gebrauchen. Seine biologischen Wurzeln verleugnet Jesus. Als seine Mutter, seine Schwester und Brüder ihn sprechen wollen, lässt er sie warten und sagt zu seinen Jüngern und Jüngerinnen: „Ihr seid meine Mutter, meine Schwester, mein Bruder.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Vertrauen in der Teamarbeit

Verfasst von: sofa111 in: 2. Juni 2009

Für Teamentwicklung und Teamcoaching gibt es einen zentralen Wert: Vertrauen!

Protokolle und detaillierte Abmachungen können es nicht ersetzen. Sie nützen nichts, wenn in der Teamarbeit keine Vertrauensbasis vorhanden ist.

Für Teamentwicklungsmassnahmen ist deshalb zentral, an diesem gegenseitigen Vertrauen zu arbeiten.  Denn Vertrauen bewirkt Kreativität. Es trägt dazu bei, dass Wissen in einer Organisation nicht verloren geht. Es erspart Regulierungen und Richtlinien und trägt so zu einer schlanken Organisationskultur bei. Vertrauen stärkt den Zusammenhalt in Beziehungen und es stärkt die Eigenverantwortung. Beteiligte werden zu eigenen, kreativen Lösungen ermutigt. Es erweitert so den Handlungsspielraum. Vertrauen ist also ein Mittel zur Freiheit. Und schliesslich stärkt es die Autorität.

Alles gute Argumente, um in einer Teamentwicklung am Vertrauen zu arbeiten. Folgende Methoden und Ideen sind dafür je nach Teams geeignet:

  • Story-Telling: Die Team-Mitglieder erzählen gegenseitig ihre Geschichten mit dem Team. Gut angeleitet und moderiert kann eine solche Runde einen extrem vertrauensbildenden Effekt haben.
  • Positive Haltung erlernen: Die Team-Mitglieder entwickeln gegenseitig eine positive Grundhaltung gegenüber den Resultaten und Erfolgen der anderen. Und sie lernen, diese Haltung zu artikulieren oder gegenüber Dritten an den Tag zu legen. Erst in einem wertschätzenden Klima kann das Vertrauen wachsen. Diese Haltung kann eingeübt werden. Vertrauen vermehrt sich, je mehr es geübt und gelebt wird.
  • Vertrauen als Führungsinstrument: In Teams wird Führung explizit und implizit als Vertrauen in Mitarbeitende gelebt.  Denn Vertrauen ehrt und verpflichtet. Keine Führungsmethode wird gut funktionieren, wenn Leitende misstrauisch sind.
  • Transparente Streit-, Fehler- und Konfliktkultur leben: Alle Mitglieder eines Team lernen, eigene Erwartungen klar auszusprechen und zu sagen, was sie meinen und umgekehrt. Gleichzeitig sind sie in der Lage, eigene Fehler zuzugeben und Kritik entgegen zu nehmen. Gegenseitig ist geklärt, dass man aufeinander zählen kann, wenn jemand Hilfe benötigt oder einen Fehler gemacht hat.
  • Arbeit am Selbst-Vertrauen: Mit verschiedenen Übungen und meditativen Elementen kann am eigenen Selbst-Vertrauen der Team-Mitglieder gearbeitet werden. Das geht von der Betrachtung der eigenen Arbeit über Biographiearbeit bis hin zum Bewusstwerden der persönlichen Kraftquellen. Sie wird zur Grundlage für eine Vertrauensbasis im Team. Wo Menschen sich selber Wert beimessen, werden sie auch andere wertschätzen.
  • Werte-Arbeit: Die Arbeit an Werten ist ein Baustein zum Aufbau von Vertrauen. Wo in einem Team über Werte diskutiert werden kann – entsteht meist unbemerkt eine gute Vertrauensbasis.
  • Komfort-Zonen verlassen: Mit Outdoor-Übungen wird erfahrbar, was passiert, wenn ein Team aus der Komfortzone heraus tritt. Dann muss sich das Vertrauen oder das fehlende Vertrauen nochmals neu zeigen. Das löst eine Reflexion und weiter gehende Anstösse aus.

Die Methode des „congregational discernment“ ist in den USA im Kommen. Höchste Zeit, sie auch für Entscheidungsfindungsprozesse in Kirchen, Schulen, NPO und Profit-Unternehmen einzusetzen. Sie beinhaltet zwei Elemente: Stille und Konsens.

Im englischsprachigen Raum ist gegenwärtig ein Begriff in aller Munde: Discernment – Urteilskraft oder Unterscheidungsgabe oder Scharfsinn oder Entscheidungsfindung. Ursprünglich ist der Scharfsinn ein religiöses Konzept um den Willen Gottes im eigenen Leben zu erkennen. Am bekanntesten die Stelle im Galaterbrief, wo Paulus die Gabe der „Unterscheidung der Geister“ erwähnt.Segellager_06 127
Nun wird diese Art der Urteilskraft aber auf organisationale Prozesse und Entscheidungen übertragen – mit interessanten Nebenwirkungen.  Im wesentlichen geht es in Workshops darum, mit Organisationen eine unbürokratische Methode einzuüben, um Entscheidungen zu erreichen.
Die Methode wird inzwischen zum Beispiel von der Presbyterianischen Kirche in den USA angewendet, um zu Entscheidungen in der umstrittenen Frage der Homosexualität zu kommen oder vom ökumenischen Rat der Kirchen in Genf und von manchen Kirchgemeinden.

Die Grundlage für organisationale Entscheidungsfindung sind zwei Methoden:

  1. Stille
  2. Konsens in der Entscheidungsfindung

Die Praxis der gemeinsamen Stille als Methode kommt ursprünglich von den Quäkern . Stille wird zum Beispiel auch am Ospidal Scuol (Krankenhaus Schuls/Engadin) vom Chefarzt verwendet, um das Operationsteam vor jedem Eingriff zu sammeln (Geo-Ausgabe Mai 2009). 

Die spannende Frage ist also: Was passiert, wenn eine Organisation, eine Kirchgemeinde, eine Schule oder sogar eine betriebswirtschaftliche Unternehmung Stille und Kontemplation anwenden würden in Fragen des täglichen Geschäfts.

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